Die Idee wurde schon im letzten Jahr geboren, die Umsetzung scheiterte aber am Wetter. Doch dieses Jahr hatte Petrus ein Einsehen.
Die Segelflugschule des Luftsportverbandes Schleswig-Holstein umfasst alle Segelflugvereine, und deswegen kann jeder in der Ausbildungsorganisation gemeldete Fluglehrer in jedem Verein schulen. Einige Vereine haben ein paar mehr Lehrer, andere ein paar weniger. So entstand die Idee, dass ich beim LSV Südtondern auf dem Flugplatz Aventoft sehr nahe der dänischen Grenze während des Sommerlehrganges, bei dem auch immer einige Schnupperkursteilnehmer anwesend sind, die oder den Fluglehrer ein wenig entlaste. Der kritische Blick auf die Wetterkarte war sehr hilfreich bei der Terminierung des Vorhabens, wie die Bilder zeigen.
Ich reiste also mit der Bahn von Bad Schwartau nach Niebüll, was etwa so lange dauert, wie ein Flug von Frankfurt nach Larnaca auf Zypern, und dort holte mich Hans-Ulrich Henningsen mit seinem Wohnmobil ab.
Zweites Frühstück und kurze Einweisung in die Platzverhältnisse, dann ging es los.

Es galt auch sehr junge Flugschülerinnen und -schüler zu betreuen, die z.T. schon sehr gut flogen und eigentlich auch schon alleine fliegen könnten, wenn sie es nur dürften, aber mit 12 Jahren……

Einen Solisten galt es auch noch zu „verarzten“, dem ich als zweiter Fluglehrer die Alleinflugreife bescheinigen konnte.

Das Wetter war klasse, nicht ein Start, bei dem man aus der Winde nicht in die Thermik kam, schier endlose Sichten in der frischen Brise aus Nordwest. Als ich am Nachmittag nach drei Nettoschulungsstunden eine Tasse Kaffee schlürfte, grinste mich die vereinseigene Ka 6 E, die in der Ecke stand, an. Also rein, hoch, und dann bin ich in der kalten Luft noch so lange geflogen, bis es im Funk hieß: „Wenn Du nicht bald runterkommst, wird Dein Steak zäh!“ Es kamen sogar noch ein paar Kilometer für den online-contest zusammen.

Am Ende des Tages habe ich 4 h 55 min in mein Flugbuch schreiben können, darunter 2h 25 min auf einer Scheibe SF 34, einem Kunststoff Doppelsitzer, den ich bis dahin auch noch nicht geflogen war. Ein angenehmes und gut zu fliegendes Flugzeug.

Der Abend klang bei Rotwein, Tabakspfeife und vielen Fliegergeschichten aus.

Der nächste Tag begann zunächst etwas regnerisch, aber wie das an der Nordseeküste so ist, klarte es bald wieder auf, und wieder gab es reichlich Thermik bei mäßig, aber ausreichend hoher Wolkenbasis.
Der Tag brachte aber vor allem die Gelegenheit, eine Focke-Wulf „Weihe“ und ein „Grunau Baby“ zu fliegen. Und das war etwas ganz Besonderes.
Der Flug im offenen Baby dauerte nur 10 Minuten, weil der Anschluss an die Thermik nicht vollständig gelang. Ein witziges, kleines Flugzeug mit völlig harmlosen Flugeigenschaften und extrem langsam. Fliegen mit 50 km/h oder gar weniger macht man ja auch nicht jeden Tag. Mit der Nase im Wind und einem grandiosen Rundumblick so langsam durch den Himmel zu „schippern“ ist schon irgendwie unwirklich. Wenn ich denke, dass ich vor Jahresfrist noch mit Mach 0,86 in 10.000 m Höhe unterwegs war…..
Gefühlte Landestrecke bei Gegenwind auf der Kufe vielleicht 20 m.

Zuvor durfte ich aber auf der Focke-Wulf „Weihe“ fliegen, einem high-tech Flugzeug aus dem Konstruktionsjahr 1938. Es soll geheißen haben „Legt los, baut das beste Segelflugzeug der Welt, Geld spielt keine Rolle!“ Und so ist das Ergebnis. Einmalig. Ich bin ja nicht sparsam mit Komplimenten für tolle Flugzeuge, aber so etwas Schönes habe ich auch noch nicht erlebt. Ja, auch die Weihe ist eher sehr langsam unterwegs, so um 60 bis 70 km/h. Sie liegt dabei aber so ruhig in der Luft, zieht so stoisch ihre Kreise, wie ich es noch nicht erlebt habe. Mit 55 km/h in flachen Kreisen kann man die schwächste Thermik noch ausnutzen. Knapp eine Stunde konnte ich dieses seltene und ungewöhnliche Flugzeug genießen.

Den Rest des Tages verbrachte ich wieder auf dem „Rücksitz“ der ASK 13, dieses braven und unerschütterlichen Schulflugzeuges, das noch in so vielen Vereinen hervorragende Dienste leistet.

Um 16 Uhr war dann Schluss, denn ich wollte noch am Abend mit dem Zug wieder nach Hause, und da die Bahnfahrt aus der Nordwestecke Nordfrieslands bis nach Lübeck ja so lange dauert, wie ein Flug quer durch Europa…..

Es waren zwei wunderschöne Tage, und ich möchte mich bei den Kameradinnen und Kameraden aus Aventoft ganz herzlich bedanken, weil Ihr mich so freundlich aufgenommen habt, und weil ich Eure wunderschönen und wertvollen Flugzeuge fliegen durfte. Die Einladung für 2021 nehme ich hiermit gerne an, bis dahin!