Lang herbeigesehnt war es am vergangenen Wochenende endlich wieder soweit. Vom 16. bis zum 19. August fanden die diesjährigen Oldtimer-Kunstflugweltmeisterschaften im dänischen Skive in Nordjütland statt.
Um es vorwegzunehmen, es war wieder eine ausgesprochen spaßige Veranstaltung, von Sören Dolriis und anderen emsigen Organisatoren hervorragend angelegt und durchgeführt.

Die Vorbereitungen begannen am Mittwoch mit einer gründlichen Durchsicht des QAX für die Reise in den Norden. Ich habe alles soweit präpariert, dass ich mich am nächsten Morgen nur noch hineinsetzen und losfliegen musste.

Am Donnerstag wehte wie vorhergesagt ein strammer Südwestwind, der mich in „Rekordzeit“ nach Norden blies. Der Weg führte an Flensburg vorbei und durch die Kontrollzonen von Skrydstrup und Billund nach Skive. Offensichtlich wußten die Fluglotsen von der Veranstaltung, denn bei der Erteilung der Freigaben zum Durchflug der Kontrollzonen gab es deutlich spürbar Oldtimerrabatt.

Nach nur 1h 50 in Flugzeit entdeckte ich den Flugplatz Skive rechts voraus, befand mich also im rechten Queranflug zur Piste 14. Eine schöne, topfebene, fast 1200 m lange Piste, leider bei Südwestwind nicht so ideal ausgerichtet. Ich habe den ersten Anflug in geringer Höhe abgebrochen, denn die Seitenwindkomponente war mir doch deutlich zu groß. Einfache Regel für Piloten alter Doppeldecker: wenn Du die Piste beim Anflug sehen kannst, ist die Seitenwindkomponente zu groß! Aber gleich neben der Hartbahn liegt die Graspiste, die sehr breit und topfeben ist, und auf ihr gelang dann auch eine ordentliche Dreipunktlandung.

Die Begrüßung war wie gewohnt sehr herzlich. Es folgte eine kurze Einweisung in die örtlichen Verhältnisse, und dann war Zeit, sich um das Fliegerle zu kümmern. Skive verfügt über ein kleines „Terminal“ mit einem Hinweisschild „Arrival/Departure“ über der Eingangstür. Alles durch einen Gang – wie entspannt. Teil des Gebäudes ist auch ein großer Speisesaal und ein kleines Abfertigungsbüro, alles klein aber fein und pieksauber – dänisch eben.

Bald gab es Abendessen gefolgt vom allgemeinen Briefing, das seinen Höhepunkt in der Präsentation der Kürprogramme für „The Performance“ fand, bei der die Teilnehmer ihr Programm vorstellen müssen.

In diesem Rahmen gab es dann die Erstaufführung des Werkes „My tiny little Stieglitz“. Meine Tochter Anke hat den von mir ersonnen Text zur Melodie von „Mein kleiner grüner Kaktus“ zu eigener Klavierbegleitung gesungen. Leider konnte Anke nicht dabei sein, denn erstens hat sie ein wenig Flugangst und zweitens hätte das Klavier nicht in den Stieglitz gepasst.

Der Flieger stand geschützt in der Halle, und Karin, die sich die fotographische und filmische Dokumentation nicht nehmen lassen wollte, und ich bezogen Quartier im Skive Hus, dem ersten Haus am Platze, aber doll war das nicht, nur teuer – Schwamm drüber.

Der Freitag brachte vom weiterhin frischen Wind abgesehen wunderbares Flugwetter und begann um 09 Uhr mit dem Tagesbriefing. Es wurde bis abends um 21 Uhr geflogen und alle Pflichtprogramme konnten zweimal und die Kür einmal geflogen werden.
Ich war als sechster Teilnehmer in der Kategorie „Looping the Loop“ an der Reihe und schaute etwas verwundert in den Himmel, was der erste Aspirant da so flog. Gott sei Dank habe ich dann mal nachgefragt, ob ich etwas verpasst hätte. Ja, hatte ich, denn die Figurenfolge hatte sich gegenüber den Vorjahren verändert. Also bin ich schnell noch ein paar Minuten mit geschlossenen Augen hinter der Halle über die Wiese gelaufen, und habe das Programm auswendig gelernt.
Es sollte mit einem Bahnneigungsflug von 45° nach unten beginnen, gefolgt von einem Wingover, dann einem Looping, einer 270° Kurve mit 60° Neigung, einer Faßrolle und einer abschließenden 90° Kurve wieder „auf dem Flügel stehend“.

Wichtig war es, die Kurven zur richtigen Seite zu fliegen, um „in der Box“ zu bleiben, einem Würfel mit je 1 km Kantenlänge. Der Wind, der am Boden schon frisch wehte, ist ja in ein paar hundert Metern noch deutlich stärker und geeignet, den Kandidaten aus dem vorgegeben Raum herauszublasen.

Ich stieg auf 900 m Höhe, wartete im „holding“ auf den Ruf vom Oberschiedsrichter „the box is free“ und peilte meinen Startpunkt an. Dreimal mit den Flügeln wackeln und los gehrt’s. Es hat prima gepasst, die Figuren waren ordentlich geflogen, die Mindesthöhe wurde eingehalten, und vor allem bin ich sehr schön in der Kiste geblieben. Wieder dreimal mit den Flügeln wackeln und dann den Abschwung zur Landung wieder auf der Graspiste.

Beim zweiten Durchgang am frühen Nachmittag habe ich noch konsequenter darauf geachtet, ordentliche gerade Linien zwischen den einzelnen Figuren zu fliegen, zwei Sekunden einfach stur geradeaus – so mögen es die Schiedsrichter.

Nach der Kaffeepause stand dann „The Performance“ auf dem Programm und wie in den Vorjahren fungierten neben den Schiedsrichtern auch alle Piloten als Juroren. Ich war als neunter dran und flog mein Vorjahresprogramm diesmal so wie geplant zu „My tiny little Stieglitz“. Länge der Kür und des Musikstückes passten perfekt zueinander, aber mit den echten Könnern kann ich nicht mithalten – will ich auch gar nicht.

Der Sonnabend brachte dann kein fliegbares Wetter, jedenfalls nicht für Kunstflug. Ich machte einen Rundflug mit Jonathan Apfelbaum, der zusammen mit seiner Frau und einer riesigen Fotoausrüstung aus Amerika angereist war, um über die Veranstaltung zu berichten. Er hatte noch nie einen leibhaftigen Stieglitz gesehen und war völlig vernarrt in das Flugzeug – was Wunder!“

Beim morgendlichen Briefing wurde der Zwischenstand der Wertungen nach dem ersten Durchlauf bekannt gegeben – wow, das macht Grund zur Hoffnung…

Um 18 Uhr 30 am Abend fand dann das „Award Dinner“ statt. Es begann mit einem Abendessen im Flugplatzrestaurant, Vorspeise und Hauptgang, lecker zubereitet von „Mr. Skive“ dem Flugplatz- und Restaurantbetreiber.

Das Dessert gab es im geschmückten Hangar (siehe Bilder), und da fand dann auch die Siegerehrung statt. Die Rangfolge wurde rückwärts verlesen, und der spannendste Augenblick ist der, wenn der zweite aufgerufen wird…..

Welche Freude! Ich habe mir meinen im Vorjahr verlorenen Titel zurückgeholt. Nach 2016 bin ich zum zweiten Mal Weltmeister in der Kategorie „Looping the Loop“ geworden. Die Riesenflasche Schampus, eine Medaille und ein lärmkompensierter Kopfhörer der Firma Bose waren der Lohn.

In einer anderen Kategorie wurde ich aber entthront. Nach meinem Auftritt in zeitgenössischer Kleidung im Vorjahr wurde in der Ausschreibung mit „beat Claus!“ Dazu aufgerufen, sich auch vintage zu kleiden. Um den Sieger zu bestimmen, wurde das „Clappometer“ benutzt. Der Kandidat, der vom Auditorium den meisten Beifall erhält, gewinnt. Der Preis ging an Hannah aus Finnland, eigentlich Schiedsrichterin, aber auch Löserin Deiner Probleme, von denen Du noch gar nicht weißt, dass Du sie hast – so die Laudatio von Sören.

Am Sonntag wollte ich früh los, um dem immer weiter auf Süd drehenden Wind zuvorzukommen. Den Flieger hatte ich am Sonnabend gründlich vorbereitet. Um 09:20 Uhr war ich in der Luft und bin nach einer Zwischenlandung zum Tanken in Rendsburg gegen Mittag wohlbehalten wieder in Itzehoe angekommen.

Es war einfach toll, danke an Sören und alle anderen guten Geister der Veranstaltung – der QAX und ich, wir kommen wieder !!!