Viele, denen ich es erzählt habe, konnten oder wollten es nicht glauben, aber es stimmt.
Nach über zwei Jahrzehnten gemeinsamer Abenteuer habe ich mich rein rational gelenkt und trotzdem emotional schwer angefasst von meinem QAX getrennt.
Es war eine wunderbare Zeit und nur wenige Flugzeuge sind so schön zu fliegen wie ein „Stieglitz“. Er gehorcht jeder Steuereingabe, fliegt aber auch stoisch geradeaus, wenn die Luft ruhig ist, um sich sofort spielerisch leicht in jeder Richtung um sich selbst zu drehen, wenn man entschlossen in die Ruder greift.
Er hat die Menschen, die ihn gesehen und gehört haben, immer verzaubert und in seinen Bann geschlagen. Auf Flugtagen, auf Flugplätzen mit Schaulustigen an gedeckten Kaffeetischen war er immer der Star – viel bewundert, bestaunt und fotografiert. Nie hat sich jemand über Fluglärm beschwert, immer war es der satte, sonore Ton des wuchtigen Sternmotors, dem andächtig gelauscht wurde. Das Spektakel des Andrehens mit der Kurbel, und das dann zu beobachtende Auf und Ab der Stößelstangen, das man bei den 500 Umdrehungen im Leerlauf verfolgen konnte, haben Technikneugier und Technikbegeisterung geweckt. Das Anlegen der Gurte, das Überstülpen der Pilotenhaube mit den Kopfhörern und das Schlingen des weißen Schals um meinen Hals – all das hat für stilles Schmunzeln oder laut vorgebrachte Begeisterung gesorgt.

Den einen oder die andere habe ich eingeladen, sich mit mir zusammen aus dem Stieglitz die Welt von oben anzuschauen, und alle sind beglückt wieder aus dem engen Verschlag zwischen den Flügeln und den Streben herausgekrabbelt. So manche/n habe ich trotz des pfeifenden Fahrtwindes und des brüllenden Motors juchen hören, wenn der Himmel unter uns und die Erde über uns war. Und es war immer ein schöner Abschluss einer jeden Zeitreise, wenn man dann die Erde wieder erreichte, wenn der Flieger – wie ich es immer ausdrückte – in die Wiese plumpste.

Am letzten Freitag (14.10.22) hat sein neuer Besitzer ihn abgeholt, und das war nicht so ganz leicht für mich, aber da war es zu spät, es sich nochmal anders zu überlegen. Bei Dr. Rainer Berndt, den ich schon länger vom dem Oldtimer-Fest „Vintage Aerobatic World Championship“ her kenne, weiß ich ihn in besten Händen, und wenn ich in Landshut, der neuen Heimat des QAX vorbeischaue, dann darf ich ihn nicht nur streicheln…..

Am Ende ist alles gut, aber ein paar Tränchen sind doch geflossen.

Und nun? Nun muss ich den Winter ohne motorisiertes Flugzeug überstehen, denn erst im Frühjahr kommt ein neues Fliegerle, nicht ein neues im Sinne eines weiteren, sondern ein fabrikneues. Und damit, dass es dieses neue Flugzeug überhaupt gibt, hat mein Entschluss auch zu tun. Ich hätte mir ja nie eine „profane Einmot“ zugelegt. Ein Flugzeug muss ein offenes Cockpit und ein Spornrad haben, der Pilot muss hinten sitzen, und eigentlich muss vorne an der Nase ein Sternmotor brüllen. Die letzte Bedingung erfüllte die neue nur im Original aus dem Jahre 1929, dafür wird der Rotax 912 Boxermotor mit erheblich weniger Pflege, Öl und Benzin auskommen, auch wenn sein Klang natürlich nicht annähernd so satt und sonor ist, wie der des Siemens Halske Sh 14. Aber reinsetzen, per Knopfdruck anlassen und einfach losfliegen hat ja auch etwas. Und ja, über das Mäusekino für den Piloten kann man auch streiten. Schließlich habe auch mit Karte, Kompass und Uhr immer mein Ziel gefunden, in Zukunft werde ich dann eine elektronische Karte vor der Nase haben. Alles Kompromisse, über die ich lange nachgedacht habe, aber die ich eingehe, denn ich will auch einfach mehr und weiter fliegen als bisher. Und das wird mit dem Junkers A 50 „Junior“ in seiner Neuauflage als Ultraleichtflugzeug erheblich einfacher und billiger als mit dem QAX.
Im April soll das Flugzeug mit der Werknummer 9 fertig sein, und das Kennzeichen steht auch schon fest.

D-MQUI

Klingelt es bei Ihnen? Ju 52, D-AQUI, Wellblech! So schließt sich der Kreis dann doch wieder – und das hat doch auch seinen Charme.

Ich freue mich auf den Junior und werde natürlich berichten !