Denk-mal an, mit dem QAX zum Weltmeistertitel !

Irgendwann im Frühsommer stieß ich drauf: „Vintage Aerobatic World Championship“ in Stauning in Dänemark !

Ein paar Enthusiasten in Dänemark haben sich zusammengetan, eine Veranstaltung zu organisieren, bei der die schönen alten Flugmaschinen das zeigen sollten, wofür sie einmal erdacht und erbaut wurden: Kunstflug !

Der moderne Kunstflug hat auch viel von einer Materialschlacht, bei der man ohne das Neueste vom Neuesten keinen Pott mehr gewinnen kann. Die Bewegungen der Flugzeuge sind „hart“ am Rande der Phsyik, und der Streit um die Gestaltung und Auslegung der Regeln zum eigenen Vorteil soll breiten Raum einnehmen.
Alles das sollte in Stauning keine Rolle spielen, weswegen der ausgeschriebene Wettbewerb auch als „inoffiziell“ betitelt wurde.
Spaß sollte es machen, der fliegerischen Weiterbildung dienen und dem „Sossieleising“  (das ist dänglisch), also dem Beisammensein und sich Kennenlernen.
Und wer die Dänen einigermaßen kennt, der weiß, dass sie dafür genau das richtige Völkchen sind: Ihre durchaus vorhandene Ernsthaftigkeit lässt ausreichend Raum für ein Augenzwinkern und die Bereitschaft, auch mal über sich selbst zu schmunzeln.
Beste Voraussetzungen für ein spaßiges Wochenende.

Also fahren Jens und ich am Freitagmorgen (12. August) nach Itzehoe und schmieren den Ventiltrieb ab, bevor wir uns am frühen Nachmittag bei marginalen Wetterbedingungen auf den Weg nach Tondern gleich hinter der dänischen Grenze machen.
Dort treffen wir mein treues Weib Astrid, meinen „Fliegervater“ Hermann und Karin, die mit dem VW-Bus vorweggefahren sind.
Hermann übernimmt den Platz von Jens, und weiter geht es bei strammen Winden in Ameisenkniehöhe nach Stauning.

Als ich Esbjerg Tower in der Absicht rufe, mir eine Durchflugfreigabe durch den nordöstlichen Zipfel der Kontrollzone zu erbitten, antworte ich auf die Frage, was denn „Fox Whiskey four four“ für ein Flugzeugtyp sei (die wußten natürlich von der Veranstaltung), „check the registration in the internet!“ …
„Delta – Ekko Quebec Alpha Xray, You are very welcome and cleared for a lowpass in Esbjerg, QNH 1020, report on short final runway 26!“

Kurzer Stop und Passagierwechsel in Tønder/Dänemark, danach ging es gleich weiter nach Stavning.
Viel Wind, viel Wetter!

Also gut, wenn man uns so freundlich bittet….

Von da ist es dann nicht mehr weit bis Stauning, und bei den starken Winden muß ich zur Landung die Zunge gerade halten.
Die Begrüßung ist erwartungsgemäß sehr herzlich, bei dem Wetter freuen sich die ohnehin über alle Maßen freundlichen Gastgeber über jeden, der den Anmarschweg bewältigt – es hat leider auch einige Absagen gegeben.

QAX wird versorgt, und wenige Zeit später trifft auch die mitreisende Fangemeinde ein.
Wir können zu fünft ein Fereinhaus in der Nähe des Flugplatzes beziehen, und dann geht es zum großen Hallo ins Zelt am Rande des Vorfeldes, wo man sich bei Speis‘ und Trank näher kennenlernt.

Kalt, nass, windig ... Unser Ankunftstag in Stauning.
Kalt, nass, windig …
Unser Ankunftsabend in Stauning.
Dort findet am nächsten Morgen auch das Frühstück statt, bei dem das Wetter allen aufs Gemüt drückt.
Strammer Westwind, tiefe Wolken und immer wieder Regenschauer lassen an einen Beginn des Wettbewerbes nicht denken. Gerade als die Stimmung kippen will, wird zum Briefing gebeten, an dem auch alle Mitreisenden teilnehmen dürfen, und welches die Stimmung rausreißt.
In knapp zwei Stunden erfahren alle viel Wissenswertes über den Kunstflug im Allgemeinen und über einige Manöver im Besonderen.

Anschließend biete ich an, noch etwas über die Super Constellation zu erzählen und am späten Nachmittag kann der Wettbewerb in der Klasse „performance“ doch noch beginnen. Hier kann jeder etwas nach eigenem Gusto vorführen, und es gibt schon viel dabei zu sehen.
Die Nummer mit der aus dem Flugzeug geworfenen Klopapierrolle, die es dann mit dem Flugzeug zu zerfetzen gilt, ist wirklich nicht neu, aber von Povl Toft so herzzerreißend schön auf der blauen Stampe geflogen, dass es eine Freude ist zuzusehen.
Dann kommen die „Funky Munkies“, zwei Dänen (mein Namensgedächtnis…..) auf De Havilland Chipmunk, aber das witzigste ist die mitreißende Animation von Sören Dolriis, herzlich und lustig.

Als erster inoffizieller Weltmeister steht am Abend Jiri aus Tschechien fest, ein B 737 Kapitän, der mit seiner wunderbar restaurierten Zlin auch die weiteste Anreise hatte. Das Problem des Transportes der riesigen Champagner-Flasche in seinem Flieger lässt sich ganz einfach umgehen – köpfen !!!

Nun ist es Zeit für die beiden Spanferkel, und im Zelt sind alle trotz der miesen Wetters in bester Stimmung. Ein schottischer Barde unterhält die Gemeinschaft und wird von manchen als verantwortlicher für das Wetter, das ja über die Nordsee aus Schottland nach Jütland gekommen sein muß, identifiziert. Die Vorhersage für den nächsten Tag ist aber ungleich günstiger, sagt jedenfalls der „Met-man“, der natürlich auch als „Mad-man“ verspottet wird.
Dann kommt es zur Prämierung des schönsten, am besten erhaltenen, am originalgetreuesten restaurierten usw. Flugzeuges, und „The Winner is……The STIEGLITZ!“ Eine Medaille für den QAX, und die Ehre gebührt Dirk Bende und seiner Mannschaft !!!
Später im Ferienhaus wird noch eine Flasche Rotwein geleert und Opa Hermann erfreut uns mit seinen auf Plattdeutsch vorgetragenen Anekdoten und Geschichten.

Am Sonntagmorgen ist es dann endlich so weit, und um 11.00 Uhr soll der Wettbewerb fortgesetzt werden. Ich bin als zweiter Teilnemer an der Reihe und starte rechtzeitig, um die notwendige Höhe zu erklimmen. Mit diesen alten Flugmaschinen erreicht man die notwendigen Eintrittsgeschwindigkeiten für viele Manöver nur, wenn man Höhe aufgibt und Schwung holt – das gerade finden die Freunde des Kunstfluges mit alten Flugzeugen ja so schön – es dauert halt alles ein wenig länger, und dem Haushalten mit potenzieller und kinetischer Energie kommt eine hohe Bedeutung zu.

Ich fliege in 800 m Höhe auf die virtuelle Box zu, das ist der Würfel von 1 km Kantenlänge, in dem ich meine Übung „Looping the Loop!“ zu absolvieren habe. Und dann beginnt es auch bei 220 km/h mit eben einem Looping, gefolgt von einem „Wing Over“, bei der das Flugzeug zuerst in einen um 45 Grad nach oben gerichteten Steigflug gebracht wird, dann in eine enge Steilkurve mit senkrecht zum Horizont geneigten Flächen, um dann das Flugzeug im Bahnneigungsflug mit wieder 45 Grad aufzurichten. Mit dem Schwung aus dem „wing over“ geht es in eine Faßrolle, einer korkenzieherartigen Bewegung um die Quer- und Längsachse und dann noch in eine Steilkurve mit 60 Grad Neigungswinkel, die genau auf Gegenkurs enden soll. Und schon ist es auch wieder vorbei. Ich turme nach unten und bin nicht so ganz glücklich mit meiner Darbietung. Die Ausreden vor mir selbst lauten: „Nicht geübt, der arme Flieger…“

Nach dem Abstellen kujoniert mich meine Crew noch damit, dass ich angeblich ein Manöver vergessen haben soll, was ich weit von mir weise. Als ich mich aber so richtig zu ärgern beginnen will, erinnere ich mich an das Motto der Veranstaltung und erfreue mich lieber an den Darbietungen der anderen Teilnehmer. Ja, es stimmt, die Bewegungen sind weicher und runder, und man kann genau sehen, wer ein wenig zu viel ins Seitenruder tritt, eine Linie nicht ganz gerade fliegt, eine ungleichmäßige Rollrate mit den Querruder erzeugt, usw. usw. Und man hält geradezu mit dem Piloten den Atem an, wenn die Stampe auf dem Weg zum Scheitelpunkt des Loopings immer langsamer wird. Wird der Schwung reichen? Wird der Looping rund, oder sieht er am Ende wie ein Ei aus? Ist der Kurs nach der Faßrolle derselbe wie vorher, oder zeigt die Nase des Flugzeuges ganz woanders hin?
Letzter Teilnehmer ist ein junger Nachwuchsflieger, der erst in den Tagen vor der Veranstaltung seine Kunstflugberechtigung erworben hat. Er nimmt auf einer „Bellanca Citabria“ teil, und bekommt später für seinen Ehrgeiz einen Sonderpreis.

Dann beginnt das große Warten auf die Auswertung der Bewertungen  der erfahrenen Schiedsrichter Jan Maxen und Lars Göran Arvidsson. Es geht ja nicht nur um die Figuren und deren präzise Ausführungen, sondern auch um eine sichere Flugdurchführung, das Verbleiben in der Box, die Verbindung der einzelnen Manöver, und den Gesamteindruck – „the grace of flying!“

Ich habe an alles geglaubt, aber nicht an das: (inoffizieller und erster) Weltmeister in der Kategorie „Looping the Loop!“

Die Sonne scheint endlich vom Jütländischen Himmel, ich halte die Pulle Schampus im Arm, kriege einen Schmatz von meiner Astrid und bin Weltmeister – naja, so ganz ernst wollen wir das mal nicht nehmen….

Egal – was für eine Sause ! Eine Superidee ! Wir hatten so viel Spaß, haben so bezaubernde Menschen kennengelernt und sind uns sicher – Stauning 2017, wir kommen !

In Gedanken entwickelt sich meine Kür schon, und einen Titel habe ich auch schon:

My Stieglitz and I – we both love to fly and dance in the sky !“
Oder auf dänglisch „Mai SStieglitz and Ai – wi boos law to flai änd dääns in se skai!“

Als Karin in den Passagiersitz des QAX klettert, ist Kaltfront endlich durchgezogen, und die Sichten sind endlos. Der Nordwestwind schiebt uns entlang der Küste nach Tondern, wo wir nocheinmal die Plätze tauschen. Bis Itzehoe fliegt Astrid mit, so daß alle mal drangekommen sind. Aus 1000 m Höhe bestaunen wir das Land zwischen den Meeren – nicht zum ersten Mal und nicht zum letzten Mal, das kann man (aus dem QAX) immer wieder tun.

Jetzt, wo ich das aufschreibe, sitze ich am Fenster meines Hotelzimmers im Harbour View Hotel in Hong Kong und blicke aus dem 37. Stock auf das geschäftige Treiben dieser bei Regen im wahrsten Sinne des Wortes brodelnden und dampfenden Stadt.

Der Kontrast macht’s: 70 Liter Flugbenzin für den Stieglitz in Stauning für den Weg nach Itzehoe, 170 Tonnen Kerosin für den A 380 in Frankfurt für den Flug nach Hong Kong.