Während der Aufbau der L 1649 in Auburn weiter vorangeht, und der Einbau der Systeme begonnen hat, stand für die bis jetzt ausgewählren Besatzungen die Verlängerung bzw. Erneuerung der Lizenzen an. Da die HB-RSC zum geforderten Termin nicht zur Verfügung stand, war ein Ausweichen auf die VH-EAG, die Connie der Historical Aircraft Restoration Society, notwendig, die am Illawara Airport YWOL in Wollongong, New South Wales stationiert ist.
Eingeweihte erkennen schon am Flugzeugkennzeichen und am Kürzel für den Flughafen, dass alleine die Anreise dahin schon eine Weltreise ist, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Meine „Itinirary“ (Reiseplan) lautete Hamburg – Frankfurt – Bangkok – Sydney – Los Angeles – Frankfurt – Hamburg“, und wie bei allem, braucht man auch dazu etwas Glück. Als wir am Abend des 11. März den A 340-600, der uns unter dem Kommando von Kapitän Axel Graumann, einem Lehrgangskameraden von mir und ebenfalls Ju 52 Kapitän, nach Bangkok bringen sollte, betraten, begann es in Frankfurt leicht zu schneien. Lübeck war schon tagsüber in unendlichen Schneemengen versunken, und in Frankfurt sollte der Betrieb am 12. März für mehrere Stunden wegen Schneesturmes eingestellt werden.
Am Mittag des 13.März empfing uns dafür strahlender Sonnenschein „downunder“ und nach der Fahrt ins „Shellharbour Resort“ (das Motel hält nicht ganz, was der Name verspricht) waren wir alle erstmal völlig platt.
Am 14. (Donnerstag) trafen wir uns trotz 10 Stunden Zeitverschiebung nach einer Nacht geradezu komatösen Tiefschlafes um 09 Uhr morgens mit den Kameraden der HARS am Flugplatz und wir drei „Downunder-Neuen“, die zum ersten Mal hier waren, wurden mit allen Anwesenden und auch der Hauptperson erstmal bekannt gemacht.
Den Rest des Tages verbrachten wir im Lehrsaal und wurden von Ross Kelly, einem sehr erfahrenen Kapitän auf der Connie und auf QANTAS A 380 Düsenriesen in einem Auffrischungskursus wieder „auf Höhe“ gebracht. Ross ist ein feiner Kerl, der ohne jegliche Eitelkeiten sein Wissen teilt, zuhört, für ihn Neues annimmt und auch später im Flugzeug größte Ruhe ausstrahlt.
Am Freitagmorgen war es dann endlich soweit und gegen 10 Uhr morgens zerrissen die 72 Zylinder, angefeuert von 144 Zündkerzen die Stille am Illawara Airport. Ich war als dritter Kandidat an der Reihe, meinen „Refresher“ zu fliegen und hielt am frühen Nachmittag nach dreienhalb Jahren endlich wieder das Steuerhorn einer Super Connie in Händen.
Nach dem Start ging es an der Küste entlang zum Flughafen Nowra, einer Militärstation, die mit einer deutlich längeren Piste aufwarten kann als Illawara, und das war für die ersten Landungen nach so langer Zeit nicht unbedingt nötig, aber dennoch sinnvoll.
Natürlich lief nicht gleich alles perfekt, aber wie schon damals in Epinal habe ich gestaunt, wie weit man sich mit einer nicht ganz kleinen Grunderfahrung im Fliegen und einer entsprechenden Konditionierung (Sim-Training und mentales Eintauchen in die Materie) vorbereiten kann. Ein Hinweis hier, etwas Unterstützung da, und man kann auch so ein hochkomplexes Flugzeug sicher fliegen. Dabei darf aber nicht vergessen werden, wie lange wir uns schon mit der Lockheed auseinandersetzen.
So vergingen die fünf Tage in Wollongong buchstäblich wie im Fluge, und die vier Stunden L 1049 im Flugbuch haben mehr gebracht, als die nackte Zahl so vermuten lässt. Ein so komplexes Flugzeug verlangt viel Hingabe und gerade, wenn die Abwesenheitszeiten etwas größer sind, bringt jede neue Trainingseinheit viele neue und wichtige Erkenntnisse.
Den letzten Abend verbrachten wir mit unseren australischen Freunden im Mechanikeraufenthaltsraum bei gutem Essen und Rotwein, sahen uns die ersten Bilder des Trainings und ein paar Bildsequenzen unserer guten Tante Ju an und übergaben auch noch einige Gastgeschenke. Bob de la Hanty, die Seele der HARS, war ungewohnt gerührt, und sollten wir im Frühjahr 2014 nocheinmal die weite Reise machen müssen, werden wir die Strapazen einer Weltumrundung, von 12 Stunden Arbeitstagen und 10 Stunden Zeitverschiebung gerne auf uns nehmen, denn wir wissen, dass wir von Freunden, die ein tolles Flugzeug haben, empfangen werden.
Meine Badehose ist nicht einmal nass geworden, aber neben den fliegerischen Erfahrungen haben wir noch ganz etwas anderes erfahren.
Wie sehr müssen einem Menschen vertrauen, die einen bisher nicht persönlich kannten, und einen dennoch ans Steuer der letzten im Moment noch einsatzfähigen Super Constellation der Welt lassen, um bei 25 Knoten Seitenwind aus dem Copilotensitz auf einer 30 Meter schmalen Bahn im simulierten Dreimotorenflug eine Landung zu machen.
Hugo Junkers Vision ist wieder einmal Wirklichkeit geworden: Fliegen führt Menschen zueinander.
Thank You so much and my best regards to downunder! Hopefully soon VH-EAG and D-ALAN will form a two-ship-formation over the Sydney Opera House!