Vor einer Woche wusste ich nicht, dass es hoch im Norden eine Stadt Kuressaare auf der estnischen Insel Ösel gibt. Die Insel war mir aber schon mal aufgefallen, wenn ich auf dem Weg von Seoul, Shanghai, Peking oder Krasnojarsk auf dem Weg nach Frankfurt über das Baltikum in südwestlicher Richtung auf die deutsche Ostseeküste zuflog.

Und gestern war ich nun plötzlich da. Um 08:00 Uhr morgens ging es mit der Citation von Hamburg nach EEKE. Der Flugweg führte über die Südspitze der dänischen Insel Falster weiter über Schonen (Südschweden) an Kalmar und Gotland vorbei direkt auf die Insel Ösel zu. Der Sonnenaufgang war wunderschön nach so vielen trüben Tagen am Erdboden. Ab und zu ist es doch ganz schön, über die Wolken zu kommen. In Kuressaare erwartete uns klares, kaltes Wetter, die Temperatur war am späten Vormittag schon auf -15°C geklettert, nachdem das Thermometer nachts auf -23°C gefallen war.

Wir landeten nach etwa 1 ½ Flugstunden, und ich versorgte das Flugzeug, während die eigentlich Reisenden ihren Geschäften nachgingen.

Bis zum Nachmittag hatte ich Zeit, mir die bezaubernde 20.000 Einwohner Stadt zu erwandern. Bei blauem Himmel und schwachem Wind war es ein ausgesprochenes Vergnügen, durch die verschneiten Gassen, Parks und Festungsanlagen zu wandern. Mit sich selbst aufheizenden Einlagen in den Stiefeln war es gut auszuhalten. Zum späten Mittag kehrte ich in die Caféteria des Kurhauses ein und genoss „fingerfood“ und heißen Tee. Wie gern hätte ich einen ordentlichen Schluck Cognac in einen Kaffee gekippt, aber der Rückflug stand ja noch an, und es wäre bei dem lausigen Kaffee, den es auf Ösel gibt, schade um den Cognac gewesen.

Am späten Nachmittag stand der Rückflug an. Die brave Citation hatte in der Kälte ausgeharrt, war ein wenig eingeschneit, aber da der Schnee in der nordischen Kälte knochentrocken war, konnte das Flugzeug mit einem Besen enteist werden.

In 38.000 ft Höhe sah ich bei dem Flug nach Südwesten zu, wie der Himmel bis zum Beginn des Sinkfluges in der Nähe von Rostock noch einmal kurzfristig etwas heller wurde, bevor wir im Sinkflug in die Wolken eintauchten, und bei Dunkelheit in Hamburg landeten.

Herrlich – Hong Kong, New York, Buenos Aires und San Francisco sind schön, die Beschaulichkeit von Kuressaare im skandinavischen Winter ist es nicht minder.
Ein wunderbarer Tag ging zu Ende, wir erleben einen interessanten Blicke hinter den Horizont, und ich bin sehr zufrieden, so wie es ist.

Da ich lange brauchte, mir den Namen der Stadt zu merken, habe ich es an Curacao, wo ich mit der MD11 ein paar Mal war, festgemacht. Erst hieß es „Baltisch Curacao“ und dann, ein CC muss immer irgendwie herhalten, schließlich „Cold Curacao“.

CC fliegt mit einer CC nach CC – so einfach kann das Leben sein!