Seit Tagen liegt eine Luftmassengrenze über Deutschland, dabei fließt beständig polare Meereskaltluft aus nördlichen Richtungen nach Schleswig-Holstein. Nachtfrost und Tageshöchsttemperaturen deutlich unter 10°C bei endlosen Sichten prägen das Wettergeschehen. Am 12. April war auch so ein Tag, aber der Feuchtegehalt und der Bodenluftdruck ließen auf Thermik hoffen.

Kurz nach 13 Uhr saß ich warm eingepackt in meiner Ka 6 am Start in Wahlstedt und wartete, dass ein großes Wolkenloch vorbei ziehen und sich die vielversprechenden Cumuluswolken endlich über den Ausklinkraum schieben würden. Um 13:44 h war es soweit, südlich des Platzes in Reichweite quoll ein kleiner Cumulus und schickte sich an, eine richtige Wolke zu werden. „Tanne“ zog das Windenseil an und katapultierte mich in den Himmel. Der Schlepp war genial, und so erreichte ich über 500 m Ausklinkhöhe. Und die Wolke hielt, was sie versprach. Es ging zunächst bis auf 700 m Höhe, aber der starke Wind versetzte mich deutlich nach Osten. Allmählich kämpfte ich mich in der kräftigen Turbulenz bis auf 1100 m hoch und flog gegen den Wind Richtung Neumünster. Die Luft war wunderbar klar, aber auch kalt. Mein „Thermo-Boy“, mein Motorradanzug, den ich mir noch vor dem zwanzigsten Geburtstag gekauft hatte, und der immer noch – oder wieder – passt, hielt mich warm.

Es war herrlich. Das Fliegen in einem Segelflugzeug mit offener Haube ist nicht zu überbieten – schöner kann Fliegen nicht sein. Irgendwann habe ich dann aber doch zu viel geträumt und nicht aufgepasst. Eine Wolke zog nicht, es gab kräftiges Saufen, und als ich wieder Thermik fand, war die so zerrissen, dass ich den Bart nicht sauber zentrieren konnte. Die Wiese eines Reiterhofes versprach helfende Hände zum Abrüsten, und so landete ich nach einer Stunde und fünf Minuten in der Nähe von Klein Kummerfeld – mein Kummer war allerdings groß….

Nach einer guten halben Stunde bog der gute „Tanne“ mit dem Anhänger hinter dem Auto in die Hofeinfahrt und dank tatkräftiger Unterstützung zweier „handiger Kerls“ war das Fliegerle schnell verladen.

Die Heimfahrt vom Flugplatz Wahlstedt nach Bad Schwartau (39 km) habe ich mit dem Elektrofahrrad in knapp 90 Minuten bewältigt – mit Rückenwind in der immer noch wunderbar klaren Luft.
Ich habe in der darauffolgenden Nacht tief und fest geschlafen, frischluftvergiftet und hochzufrieden.
Die Ka 6 ist ein wunderbares Flugzeug.