Porta Westfalica 15. Oktober 2017

Die Wetterlage war so ungewöhnlich wie reizvoll.
Normalerweise wird der notwendig stramme Südwestwind ja von einem Tief über den britischen Inseln ausgelöst. Diesmal war aber ein Hochdruckgebiet über „Böhmen und Mähren“ dominierend, und das QNH, der auf Meereshöhe reduzierte Luftdruck in PW lag anfangs bei 1024 hPa, also deutlicher Hochdruck. Deswegen war der Himmel auch blau, und die Sonne schien vom Herbsthimmel. Wenn das Tief über Nordwesteuropa dominierend ist, versteckt sich die Sonne meist hinter tiefer und mächtiger Schichtbewölkung.
Am Vormittag hatte sich das Windsystem wegen einer scharfen Inversion (Sperrschicht in geringer Höhe, die sich nachts in Hochdruckgebieten ausbildet) noch nicht bis zum Boden durchgesetzt, und der Wind kam aus Nordost, gerade so, wie man es zum Hangfliegen nicht braucht. Mit dem Ansteigen der Tagestemperatur und dem Aufbrechen der Inversion stellet sich dann am späten Vormittag wenn auch zögerlich Südwind ein. Um 13:10 Uhr ließ ich mich mit dem Discus an der Seilwinde schleppen und erreichte fast 500 m Ausklinkhöhe, die bequem ausreichten, um an den Hang zu fliegen.
Ein paar Drachenflieger segelten schon am Haushang und auch eine ASK 21 der Mindener Flugsportgruppe markierte den Aufwind. Es war zu meiner Enttäuschung aber so geradeeben möglich, in etwa 400 m NN, also knapp 100 m über Hangkante mit der Geschwindigkeit des geringsten Sinkens die Höhe zu halten. Den Sprung über die Weser an das Wesergebirge habe ich nicht gewagt.
Da alle Flieger mehr oder weniger an derselben Stelle des Hanges in mehr oder weniger derselben Höhe flogen, musste man sich schon sehr konzentrieren – die Luft war voller Plastik und Bespannstoff. So verging die Zeit, und ich war ein wenig enttäuscht – der Wetterbericht hatte bessere Bedingungen versprochen.
So allmählich drehte der Wind aber auf genau Süd am Boden und frischte auch etwas auf, womit er in Hangkantenhöhe aus etwa 200 Grad zu erwarten war. Und es ging immer besser. Ich traute mich immer tiefer hinunter und flog die letzten zwei Stunden etwas unter Hangkante und unter all den Drachen hindurch. Der Aufwind war so kräftig, dass ich stellenweise 150 km/h oder schneller fliegen konnte, ohne einen Meter Höhe zu verlieren. Die Videoaufnahmen geben einen guten Eindruck davon.
Noch aus dem Flugzeug rief ich meine Astrid an, um ihr meine späte Rückkehr anzukündigen, denn ich wollte mich satt fliegen.
Als ich nach 4 Stunden und 23 Minuten wieder in Porta landete, war ich mit dem Tag hochzufrieden, denn ich habe nicht nur Spaß gehabt, sondern wieder etwas gelernt. Wenn die Windrichtung genau passt, reicht ein mäßiger Luftstrom aus, um wunderbar am Hang schrubben zu können.
Und ich schaue täglich wieder auf die Wetterkarte …