„Ja, Schatz, ich bin bescheuert!“

Ich kam nicht umhin es zuzugeben, nachdem ich die Beichte abgelegt hatte. Flugzeug Nummer vier steht in der Halle – eine wunderschöne Ka 6, ich konnte nicht widerstehen, und – nein, ich bereue es auch nicht.

Aber der Reihe nach.

Im Sommer war ich ja als Lehrer mit sieben Flugschülern zusammen mit den Wahlstedtern in Möckmühl, und dort im Speisesaal hing an der Wand ein riesiges Bild einer wunderschönen, feurig rot lackierten Ka 6 mit offener Haube, aus der heraus der weiße Schal des verwegenen Piloten wehte.
„Was für ein schönes Flugzeug!“ habe ich bei jedem Bissen gedacht. Bis ich es dann ganz weit hinten in der Halle entdeckt habe.

– „Oh, wat is‘ dei schoin!“
– „Willsch‘ se, mir verbrennet sie bald, wenn se koiner will!“
– „Äh? Wieviel?“
– „2.000 €!“
– „Ich muß mal eben zur Bank!“

Ein kurzer Probeflug  … –  die sieht nicht nur toll aus, die fliegt auch toll.

Im Januar habe ich sie abgeholt, inzwischen auch einen Anhänger ergattert, die Jahresnachprüfung ist bestanden, und gestern bin ich zum ersten Mal in Lübeck mit dem Vogel in der Thermik geflogen – mit der offenen Haube natürlich.
Fliegen in seiner schönsten, allerschönsten Form – gefühlt frei wie ein Vogel.
Ich hätte nicht gedacht, dass sich für mich alten Fuchs der Genuß noch steigern lässt. Ein wenig muss ich noch an meiner „Garderobe“ basteln, dann passt’s.

Das 212 kg Flugzeug ist extrem handlich, die Ruderabstimmung ist hervorragend, und es lässt sich ganz langsam mit 70 km/h in der Thermik fliegen, genau da, wo die Bärte am stärksten sind – herrlich. Der Blick, der Fahrtwind, die einfache Handhabung – ein Traum. Wenn das mal nicht mein neues Lieblingsflugzeug wird.

Im nächsten Winter müssen noch ein paar bauliche Sünden beseitigt werden, denn das Cockpit ist viel zu aufwändig instrumentiert, aber das wird schon.

Jetzt hoffe ich erstmal auf ein paar schöne Thermikflüge.