Die Klemm 35 ist ein weiterer typischer Vertreter der Gruppe der Schul- und Sportflugzeuge der dreißiger Jahre. Das offene, zweisitzige Flugzeug mit einer Spannweite von 10,40 m und einer Länge von 7,35 m, von dem knapp 2.000 Stück gebaut wurden, war mit einem Hirth HM 504 Vierzylinderreihenmotor mit 105 PS Leistung ausgerüstet. Die Werk Nr. 1916 unterschied sich allerdings wesentlich von der Standardausführung. Wolf Hirth persönlich hat sich in sein Flugzeug einen Hirth HM 506 Sechszylindermotor eingebaut und das Flugzeug einsitzig geflogen.
Das Maschine mit dem Kennzeichen D-EDEX befindet sich seit Jahren im Besitz einer Haltergemeinschaft auf der Hahnweide, der HM 506 war jedoch mit den Jahren am Ende. Ersatzteile oder gar Ersatz für diesen Motor zu finden ist ziemlich aussichtslos, und so wurde der Entschluss gefasst, stattdessen ein tschechischen Walter Minor III Motor einzubauen.

Mit dem Umbau wurde Dirk Bende beauftragt, der die notwendigen Anpassungen der Motoraufhängung und der Zelle vornahm, denn der Walter Minor dreht nicht rechts- sondern linksherum. Damit verändert sich einiges an einem Flugzeug. Lage der Kühllufteinlässe für den Motor und Einstellwinkel des Seitenruders sind besonders zu beachten.
Im Frühjahr 2011 war es dann soweit, und das LBA erteilte nach Vorlage der geforderten Prüfberichte die vorläufige Verkehrszulassung. Dirk und die Eigentümer baten mich, und das Luftfahrtbundesamt autorisierte mich, die notwendigen Prüfflüge vorzubereiten und durchzuführen.

Nach ausgiebigen Rollversuchen in der Vorwoche passte am 13.Februar, einem Sonntagmorgen, alles zusammen, und der „Erstflug“ nach Motorumbau konnte von Bonn-Hangelar aus stattfinden. Fast wolkenloser Himmel, nur schwacher Bodenwind und klare Sicht sind gute Voraussetzungen für solche Abnahmeflüge.
Um 11:44 Uhr Ortszeit schob ich den Gashebel behutsam an den vorderen Anschlag, und die Klemm nahm zügig Fahrt auf. Einen Augenblick später war sie in der Luft, und ich konnte mit angezeigten 130 km/h und etwa 5 m/s Vertikalgeschwindigkeit in den Himmel steigen. Das Flugzeug fliegt wunderbar, und es sind nur noch wenige Einstellarbeiten vorzunehmen.
Es sieht nicht nur sportlich aus, es fliegt sich auch so. Auch wenn die Erprobung noch nicht abgeschlossen ist, soviel lässt sich nach 1:25 h Flugzeit schon sagen: das ist eine „Mustang für Arme“. Schnell, wendig, mit einem tollen Klang, gutmütigen Flugeigenschaften und einer tollen Aussicht.

Der neue Motor funktioniert, ist thermisch stabil und ermöglicht Reisegeschwindigkeiten von etwa 190 km/h. Ich freue mich auf die weitere Erprobung und bin heute schon traurig, das Flugzeug bald „nach Hause“ auf die Hahnweide bringen zu müssen.
Die Klemm Kl 35 ist der siebzigste (70.) Flugzeugtyp, den ich geflogen bin.

Danke für das Vertrauen !