Es ist einer der bedeutendsten Momente des Fliegerlebens: der erste Alleinflug .
Ich erinnere mich noch an meinen am 14.Januar 1981 in Phoenix / Arizona mit der Beechcraft „Bonanza“ N 2037 N der Lufthansa Verkehrsfliegerschule.

Am 22. Juli war unser junger Segelfliegerkamerad Lennart Voutta „reif“.
Nachdem ich am 07.Juni mit Lennart von Wahlstedt aus einen mehr als einstündigen Thermikflug unternommen hatte, der uns auch schon aus dem Gleitwinkelbereich des Platzes deutlich hnausgeführt hatte, und bei dem Lennart sehr gut geflogen war, habe ich ihn mir am 22. Juli im Jugendfliegerlager in Grube gekrallt. Wir haben mit der ASK 21 D-5297 einen 32 minütigen Thermikflug unternommen, bei dem ich Lennart nochmal auf seine Fertigkeiten hin überprüft habe. Dann haben wir noch einen weiteren Start gemacht, bei dem ich im Steigflug einen Riß des Windenseiles simuliert habe. Anschließend habe ich meine Kapitänskollegen Michael Wendt und Klaus Scheffler, beide Fluglehrer in Grube gebeten, mit Lennart auch noch eine Platzrunde zu fliegen, denn als „Jungfluglehrer“ muss ich noch das Urteil weiterer Fluglehrer einholen, und dann waren wir „Alten“ uns sicher: er kann es.
Also wurde der Flugplatz für allen anderen Verkehr geschlossen, um eine störungsfreies Umfeld zu schaffen. „Stör Dich nicht dran, dass keiner mehr da ist, der Dir helfen kann. Freu Dich drüber, dass keiner mehr da ist, der meckern kann!“, habe ich ihm noch mit auf den Weg gegeben. Und dann musste auch ich mir einen Ruck geben, denn man übernimmt als Fluglehrer schon eine Riesenverantwortung, wenn man einen jungen Menschen zum ersten Mal alleine ein Flugzeug fliegen lässt. Man hat am Boden zurückgeblieben nur ein Funkgerät, mit dem man ihm noch etwas zurufen kann, sonst nichts und keine Eingriffs-oder Hilfsmöglichkeit mehr. Ich weiss nicht, wer aufgeregter war, Lennart oder ich – wahrscheinlich ich, denn der Bengel hat drei einwandfreie Starts und ebenso einwandfreie Landungen absolviert, dass man ihm nur gratulieren kann.
Und das soll hier auch nocheinmal geschehen:
Lieber Lennart, das hast Du toll gemacht, und ich wünsche Dir noch viele viele glückliche Landungen in Deinem Fliegerleben!

Anschließend musste der flügge gewordene Flieger dann eine alte Tradition über sich ergehen lassen: Buckel krumm, Hintern hinhalten, und dann dürfen alle Kameraden ihm einen kräftigen Klaps geben. Danach gibt es noch einen Strauß Feldblumen von der Wiese, auf der die ersten Landungen im Alleinflug stattgefunden haben. Der Gruber Windenfahrer hat einen ordentlich stacheligen Strauß zusammengebunden, der beim Überreichen mächtig in den Fingern gepiekst hat. So ist es alter Brauch, und so soll es bleiben, und so bleibt dieses Erlebnis unvergesslich. Anschließend gab es noch einen guten Schluck aus der Pulle, aber alles alkoholfrei, denn Bier und Wein haben in einem Jugendsegelfluglager nichts verloren, und das gilt auch für die alten Hasen und Fluglehrer.

Nun hat Lennart seine A-Prüfung bestanden und soll sich im Ausbildungsabschnitt B die notwendige Routine zulegen, um dann im nächsten Jahr im Abschnitt C die Prüfungsreife zu erlangen. Wahrscheinlich zum Ende der Saison 2016 wird er dann seine Prüfung zum Erwerb des Segelflugscheines ablegen, und dann ist er ein vollwertiger Flieger. Mögen ihm noch viele viele ausgedehnte Themik- und Überlandflüge gelingen, an denen er viel Freude haben soll.

Und denk immer dran: Es gibt alte Flieger und mutige Flieger, aber wenige alte und mutige Flieger. Und es ist besser, unten zu stehen und oben sein zu wollen, als oben zu sein und runter zu wollen.
Hals- und Beinbruch !