Erste Eindrücke im Bergfalken

Es ist das erste Mal, dass ich einen Bergfalken fliegen werde, und damit wird das dann der 81. Flugzeugtyp in meiner Sammlung werden. Natürlich habe ich im Vorfeld nach Berichten über die Flugeigenschaften gesucht und dabei nicht viel schmeichelhaftes gefunden. Also war ich recht gespannt, wie er sich denn fliegen lassen würde.
Natürlich ist die Sitzposition für heutige Verhältnisse ungemein aufrecht, ja, sie verdient die Bezeichnung „Sitzposition“ direkt noch, denn in modernen Orchideen liegt man ja eher. Und zum Einsteigen braucht man wirklich eine kleinen Tritt, um über die hohe Bordkante zu kommen.
Hat jemand „Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten“ gesehen und erinnert sich, wie Gert Fröbe als Oberst Manfred von Holstein die Flugmaschine erklimmen will und seine Soldaten anraunzt:
„Stelln` Se mal ’ne Leiter dahin!“
Genau so !!!

Die Beine muss selbst ich mit meinen gerade mal 1,71 Größe relativ weit anziehen, so dass ich die Klagen über relativ wenig Platz, über die ich gelesen habe, nachvollziehen kann, wenn der Autor 1,80 oder 1,90 groß war – aber bin ich ja nicht.
Die Sicht nach aussen ist gut, alle Bedienelemente sind gut erreichbar, dann kann es losgehen. Albert, der Vorbesitzer, klinkt das Schleppseil der Schleppmaschine in die Bugkupplung ein und geht an die Flächenspitze. Clemens in der Jodel zieht an bis das Schleppseil straff ist und gibt Gas, die Reise beginnt. Die Querruder wirken sofort, und so ist das Waagerechthalten der Flächen kein Kunststück. Nach wenigen Metern hebt der Bergfalke ab, worauf ich wegen der geringen Flächenbelastung gefasst war. Nun kommt es darauf an, nicht zu hoch zu steigen, solange die Schleppmaschine noch nicht fliegt. Über die Ruderwirksamkeit und –abstimmung kann ich mir sofort ein Bild machen, denn der strake Seitenwind ist böig und die Thermik offenbar recht kräftig, so dass ich kräftig in die Ruder greifen muss, um hinter Clemens zu bleiben.

Nach kurzer Zeit sind 400 m Höhe erreicht und in einem kräftigen Aufwind klinke ich aus und kurble sofort ein. Und jetzt erfüllt der Bergfalke die in ihn gesetzten Erwartungen in höchstem Maße. Er ist für seine Größe ausreichend wendig, und weil er so langsam geflogen werden kann, ist es möglich, mit relativ wenig Hängewinkel mitten in der Thermik zu fliegen – und da ist sie am stärksten. Ich steige mit 3 – 4 m/s und gewinne steitig Höhe. In etwas über 700 m Höhe muss ich aus der Thermik aussteigen, weil ich von unten an den Anflugsektor von Köln/Bonn stoße und fliege ein Stück geradeaus. Ich erhöhe schrittweise die Fluggeschwindigkeit bis ich die Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h erreiche. Alle Ruder sind ruhig, nichts vibriert oder flattert gar, aber die Längsneigung ist beeindruckend – man steht jetzt fast mit den Füßen nach unten, so steil zeigt die Nase abwärts, aber das ist keine Überraschung. Zurück am Flugplatz Hangelar nehme ich noch einmal einen Bart an, und ich bin wieder angetan, mit welcher Leichtigkeit die Thermik zu zentrieren, und wie der Flieger wieder emporsteigt – runter kann der wohl gar nicht. Bei 700 m steige ich wieder aus und fliege in die Platzrunde. Ich ziehe an den Luftbremsen und finde die Berichte bestätigt, die bringen wirklich nicht viel. Also fliege ich ein langes Endteil und ziele mit 70 km/h auf den Aufsetzpunkt.

Der Landestoß ist unerwartet deutlich, denn wegen der hohen Sitzposition setzt das Rad lange bevor ich es erwarte auf.
Kurzes Ausrollen – Stille – Glück.

Alle fleißigen Hände haben wieder tolle Arbeit geleistet, und ich bin erleichtert, dass sich das Flugzeug viel besser fliegen lässt, als ich es nach den Beschreibungen erwartet habe. Ich habe jedenfalls gar nichts am Bergfalken auszusetzen. Ganz im Gegenteil, es macht ausgesprochen viel Spass, ihn zu fliegen, und ganz sicher wird er viele Freunde finden und viel am Himmel zu sehen sein.

Ich mache noch einen weiteren Flug mit meiner lieben Frau als Sozia, und auch sie ist sehr angetan, weil man eben auch ohne enges Kurbeln steigen kann.
Ich bin nach den ersten beiden Flügen mit meinem eigenen 380 rundum glücklich.