Seit man mich nicht mehr regelmäßig um die Welt schickt, muss ich mich ums Fliegen selber kümmern und verfolge die Wetterentwicklung sehr aufmerksam. So ist es mir aber auch gelungen, in der seit dem 01. Oktober laufenden DMSt 2020 (dezentrale Deutsche Meisterschaft im Streckensegelflug) schon fast 2.000 km zu fliegen. Am Flugplatz Porta Westfalica frotzelt man schon, ich müsse demnächst Hangabnutzungsgebühr an die Gemeinde entrichten. Einem Außenstehenden mag es ja langweilig erscheinen, immer hin und her zu „bürsten“, aber auch das hat seinen unbestrittenen Reiz. Ist der Wind stark genug? Kommt er aus der passenden Richtung? Wie sind die Sichten? Sind die Wolkenuntergrenzen ausreichend? Das alles muss ich aus den Wetterprognosen herauslesen. Ich bin aber noch nicht einmal an die Porta gefahren, ohne nicht auch ein paar Stunden fliegen zu können. Und wenn ich mich entschließe, es zu versuchen, dann klingelt der Wecker am nächsten Morgen um 04 Uhr in der Frühe. Um 08:32 Uhr kommt der Zug dann in Porta Bahnhof an, und ich lege die letzten Kilometer zum Flugplatz mit dem in Minden am Bahnhof geliehenen Fahrrad zurück.
Gegen 09:30h bin ich dann meist startbereit, warm eingemuckelt in das enge Discus-Cockpit. Dann kommt der Kamerad Ralf aus Porta mit der Schleppmaschine vorgerollt, und wenige Augenblicke später klinke ich das Schleppseil aus.

Der 05. Dezember war ein Tag, an dem alles etwas anders verlief. Die Hochdrucklage der Vortage hat eine sehr feuchte Unterschicht hinterlassen. Als ich aus dem Zug stieg, war der Hang noch vollständig im Nebel verborgen. Es dauerte noch eine Weile, bis der Nebel sich lichtete, und am Boden war es immer noch absolut windstill. Ich konnte aber an den Windmühlen der Umgebung erkennen, dass weiter oben frischer Wind wehen musste. Also los. Um 11.23 Uhr zog Ralf an, und vier Minuten später zig ich den gelben Auslösegriff, um das Schleppseil zu lösen. Und der Hang trug. Zwar war der Winkel sehr spitz, da der Wind aus Westen kam, aber ich hangelte mich vorsichtig am Grat entlang. Kilometerfressen konnte nicht klappen, im Westen war der Hang noch im Nebel, und nach Osten ans Wesergebirge wollte ich unter diesen Umständen nicht fliegen. Außenlandungen haben um diese Jahreszeit noch weniger Charme als sonst. Aber ich flog, und das alleine ist auch schon erstrebenswert.

Ich tastete mich immer weiter nach Westen vor, aber man musste schon sehr vorsichtig sein, um nicht unter Hanghöhe zu geraten, da ging es dann bei dem spitzen Windwinkel gar nicht mehr gut. Ich hatte gerade begonnen, die Schenkel etwas zu strecken, um wenigstens die 50 Mindestpunkte für die OLC Wertung zu erreichen, was mir auch gelang. Aber da begann sich der Nebel auch schon wieder auszubreiten. Den Anflug habe ich vom Denkmal aus nach Kurs und Zeit geflogen, da der nur vier Kilometer entfernte Platz gegen die Sonne nicht mehr zu sehen war. Nach 2 Stunden und 23 Minuten war ich wieder auf dem Flugplatz Porta, durchgefroren aber glücklich, weil ich wenigstens fliegen konnte.

Flieger waschen, einhallen, Tore zu, Flarm auslesen und in Ullis Flugplatzkneipe stärken und auftauen. Um 20:20 Uhr war ich mit der Bahn wieder in Lübeck und glücklich und zufrieden.

Es gibt da einen Witz, der so endet: „Ich bin vielleicht verrückt oder irre, aber bestimmt nicht blöd!“

Donnerstag sieht wieder gut aus, ich liege auf der Lauer.