Vom 30.Mai 2019 bis zum 02.Juni bin ich noch einmal nach San Francisco geflogen. Ich denke, es war das letzte Mal, denn in ein paar Wochen lege ich ja den side-stick aus der Hand. Grund, Abschied von einer der schönsten Städte der Welt zu nehmen. Ich bin noch einmal an der Bucht spazieren gegangen, habe dem Geräusch des Kabels für die cable-cars unter den Straßen gelauscht, einen Blick auf Alcatraz und natürlich die Golden Gate Bridge geworfen.

Am Nachmittag des 01. Juni trafen wir pünktlich am Flughafen ein, und ich freute mich auf die SNTNA 2 departure, die Karin im fernen Frankfurt für uns geplant hatte. Das ist die allerschönste Abflugroute im Streckennetz des A380 und eine der schönsten überhaupt. Es geht von der Piste 28 zunächst über die Hügel an der Küste, dann parallel zum Strand bis zum Golden Gate und dann in einer weiten Rechtskurve um SFO downtown herum nach Osten. Wenn das Wetter gut ist, hat man einen wundervollen Blick auf die Stadt.

Und die Wegpunkte, durch die die Abflugroute definiert ist, heissen KYNNG, KRLOS und SNTNA, um den berühmten Musiker King Carlos Santana zu ehren. Da Wegpunkte aber immer mit 5 Buchstaben bezeichnet werden müssen, hat man sich eben auf die oben gezeigten Kürzel geeinigt. Nach dem Start geht es bis KYNNG geradeaus, dann rechts ab parallel zum Strand nach KRLOS, der etwa am Westausgang des Goldenen Tores liegt, und nochmal nach rechts nach SNTNA, der am Ostausgang liegt.

Die Maschine war bis auf ganz wenige Plätze ausgebucht, das Abfluggewicht betrug 516.000 kg, und bei der gewählten Schubeinstellung hätten wir mit 518.300 kg starten können. Die Winde waren schwach umlaufend, der Himmel über dem Flugplatz wolkenlos und die Temperatur lag bei 25°C. Nachdem ich den Hinflug gemacht hatte, war jetzt mein Senior First Officer als Pilot Flying auserkoren, uns nach Frankfurt zurück zu fliegen. Vier Minuten vor Plan drückte der Schlepperfahrer uns von der Brücke weg, und ich startete die vier Rolls-Royce Motoren. Während wir zur Startbahn rollten, konnte man deutlich sehen, dass auf der Seeseite der vorgelagerten Hügel tiefe Wolken lagen, die über die Berge leckten und sich beim Abstieg im Lee durch die adiabatische Erwärmung auflösten.

Um 15:12 Uhr Ortszeit am Sonnabendnachmittag schob ich die Gashebel in die FLXTO-Raste (flex take-off) und mit leicht reduziertem Schub (97,4 % vom Maximum) begann der Startlauf. Bei 132 Knoten (v1) nahm ich die Hände von den Schubhebeln und bei 148 Knoten hob mein SFO das Bugrad an, um vom Flugplatz SFO abzuheben.

San Francisco ist einer der Flugplätze, an denen es durchaus vorteilhaft ist, Segelflieger zu sein. Das Flugleistungsprogramm, das den Schub und die Startgeschwindigkeiten berechnet, weiss nämlich nichts von den Leewinden hinter der Hügelkette, die zwischen der San Francisco Bay und dem Pazifik liegen. Die Bilder der über die Kante leckenden Wolken verrieten allerdings sehr deutlich, dass es im Anfangssteigflug eine Abwindzone zu durchfliegen galt. Wenn alle Motoren laufen, ist das kein Problem, aber wenn nach dem Start einer der vier Pötte ausfällt, schmilzen die Reserven schnell dahin. Dessen sollte man sich bewusst sein, und ein Segelflieger, der schon mal ein Lee in den Bergen durchfliegen musste, ist da erheblicher alerter als ein Linienflieger ohne Erfahrungen auf Kleinflugzeugen. Als wir ein wenig Höhe gewonnen hatten, wurde schnell klar, dass es das ganz große Kino, den einmaligen Panoramablick, nicht geben würde, denn weiter nördlich zum Golden Gate hin, lagen doch noch weite Teile der Stadt unter der flachen Stratusbewölkung. Aber schön war’s trotzdem. Um einen Eindruck davon zu vermitteln, wie es aber auch aussehen kann, habe ich einige Bilder früherer Bilderbuchabflüge beigefügt.

Der Flug verlief völlig problemlos, und wir erreichten Frankfurt am Morgen des ersten wirklich warmen Tag des Jahres sogar etwas vor der planmäßigen Ankunftszeit.

Auftrag ausgeführt – bye-bye San Francisco !