Nachdem ich nun inzwischen fast 200 Flugstunden Erfahrung auf dem größten Passagierflugzeug der Luftfahrtgeschichte erflogen habe, erlaube ich mir ein zweites Urteil. Das erste habe ich ganz spontan nach der ersten Simulatorstunde abgegeben, und das zweite ist damit deckungsgleich : Sähe der Vogel auch noch gut aus, wäre er perfekt. Es ist gerade andersherum als bei der MD 11, die ja ganz toll aussieht …

Das Konzept der Auslegung und Gestaltung des Cockpits habe ich ja bereits 1995 auf dem kleinen A 320 kennen- und schätzen gelernt. Und beim A 380 ist es zu Ende gebracht. Alles ist da, wo es hingehört, alles funktioniert, wie man es sich vorstellt und alles ist gut abzulesen, zu erkennen und zu verstehen. Es macht schlicht und einfach ungeheuer viel Spass, dieses gewaltig große Flugzeug zu fliegen.
Und wenn man es von Hand fliegt, dann gehorcht es den Rudern so folgsam, dass man nicht an die Masse glauben mag, die am Cockpit dranhängt. Dass das Flugzeug mit 560 Tonnen sich nicht eben in den Himmel bohrt, liegt an der starken Drosselung der Triebwerke im Normalbetrieb. Wenn man aber das „derating“ löscht, dann wird auch dieses Großflugzeug ausgesprochen dynamisch. Reichweite, Pistenlänge, Flughöhe, Redundanz – alles kein Problem, der Kapitän kann aus dem Vollen schöpfen.
Und der Verlust meiner geliebten Einsamkeit auf dem Frachter?
Spürbar, aber nicht so schlimm „wie befürchtet“. Die Crews sind absolut überwiegend ausgesprochen nett, gelegentlich besteht aber auch „Korrekturbedarf“, denn Ordnung muss sein, wenn 24 Besatzungsmitglieder und 526 Passagiere sicher und pünktlich reisen sollen.
Es macht ganz viel Spass, Kommandant eines so großen Flugzeuges und einer engagierten Besatzung zu sein, und einen Flugauftrag engagiert, sicher und pünktlich zu erfüllen.
Und das werde ich solange tun, wie es mir möglich ist.