Wie inzwischen üblich steht mein Discus seit Anfang Oktober wieder in Porta Westfalica am Fuße des Wiehengebirges, denn dass ich im Winter nicht segelfliegen gehe, gilt schon lange nicht mehr.
Und dann kamen diese drei Tage Anfang November. Eigentlich waren es sogar fünf, aber ich bin Rentner und habe keine Zeit….

Am Sonntag, dem 06.11. war es wohl ziemlich voll am Hang, denn das Wetter war sehr günstig. Dann kommen Segelfliegerinnen und Segelflieger von weit her, um ein paar Stunden fliegen zu können. In der Woche ist es dann erheblich ruhiger am Hang, so dass ich mich entschloss, erst am Montagmorgen zu beginnen.

Der erste Tag brachte mir 330 km und 4:h 44 min Flugzeit ins Flugbuch. Nach einigen Anläufen gelang mir auch der „Sprung“ vom Süntel zum Ith und wieder zurück. Der Süntel ist aus dem Blickwinkel des Segelfliegers eine Fehlkonstruktion, denn hier braucht man 700 bis 800 m Höhe über Meeresspiegel, um die 10 km Lücke bis an den Ith überwinden zu können, und die steile Flanke, an der das leicht zu erreichen wäre, fehlt. Es ist ausgesprochen mühsam, die erforderliche Höhe zu erreichen. Ich habe es dann weiter westlich an der Schaumburg probiert und die Höhe bis zum Süntel mehr oder weniger halten können. Bei südwestlichen Winden sind die Verhältnisse am Ith geradezu ideal. Man fliegt völlig sorgenfrei in 600 bis 700 m Höhe einfach und ziemlich schnell geradeaus. Auf dem Rückweg steigt der Ith immer weiter an, hat steile Flanken, und es fällt relativ leicht, die 800 oder 900m Höhe zu erreichen, die man braucht, denn nun hat man meist mit Gegenwind zu kämpfen, und dann kommen als Erstes die Hänge des Süntel, die wie schon gesagt, nicht von Segelfliegern aufgeschüttet wurden. Aber egal – es hat geklappt. Einem zweiten Sprung standen dann im Laufe des Nachmittages einige Regenschauer im Wege, so dass ich es am Wiehengebirge „ausklingen“ ließ, um dann – nicht ganz zufällig – nach 4 Stunden und 44 Minuten wieder in Porta zu landen.

Für den nächsten Tag war Südwind vorhergesagt, so dass ich wieder um 04:15 Uhr zu Hause aus dem Bett sprang und mich mit Motorroller, Zug und Fahrrad erneut auf den Weg an die Porta machte.
Um 10:44 h war das „Seil straff“ und Ralf schleppte mich an den Hang. Ich flog zuerst westwärts bis zum „zweiten Turm“, wendete nach Osten, sprang an der Porta über die Weser an die Hänge des Wesergebirges, verließ den Hang kurz hinter Rinteln mit etwa 700 m Höhe und folgte der Bahnlinie nach Hessisch Oldendorf. Und da stand wie erwartet die „Schaumburgwelle“. Noch ein wenig leichte Turbulenz, und dann wurde es ganz ruhig – ich war in der Welle, flog mit etwa 80 km/h, und es stieg und stieg und stieg und hörte erst in 2.500 m wieder auf.
Was Fliegen in der Welle ausmacht, kann man nicht beschreiben, man muss es erleben.
Für diejenigen Leserinnen und Leser, die sich nicht vorstellen können, was da passiert, eine simple Erklärung: wenn die Kombination aus der Windrichtung gegen einen Höhenzug, der Windgeschwindigkeit und des Stabilitätsmaßes der Atmosphäre (das ist die vertikale Temperaturverteilung) zusammenpassen, beginnt die Luftmasse zu schwingen, ein Auf und Ab setzt ein. Zusammen mit einer hohen Windgeschwindigkeit ergibt sich ein wellenförmiger Wind, und wenn man den Teil, der aufwärts strebt, findet, kann man mit aufsteigen. Häufig helfen einem dann „Wellenwolken“, die gerne auch wie Linsen aussehen (altocumulus lenticularis), den Einstieg zu finden. Und wenn man dann drin ist, muss man einfach nur senkrecht zum Wind fliegen und steigt und steigt …..
Wie hoch es geht, hängt von vielen Parametern ab. Hinter dem Harz werden auch schonmal 6.000 m erreicht, ebenso hinter dem Pfälzerwald und auch hinter dem Thüringer Wald bieten sich manchmal phantastische Bedingungen. Hinter den Rocky Mountains und hinter den Anden geht es dann auch schon mal weit über 10.000 m hinaus.
Auch über Afghanistan habe ich bei strammen Westwinden im Winter die Welle selbst im A 380 gespürt, wenn der Flieger allmählich die Nase senkte und der Schubregler die Motoren drosselte, um dann Minuten später mit maximalem Schub wie eine reife Pflaume am Himmel zu hängen.

Ich will nicht zu viel erzählen, schauen Sie sich die Bilder an, das sagt (fast) alles!

Am dritten Tag war dann wieder normales Hangwetter, und wieder kam ich am Süntel nicht hoch genug, um den Sprung zum Ith zu schaffen, also blieb ich an Wiehen- und Wesergebirge und flog meine „üblichen etwa 330 km“ und konnte am Abend 5 Stunden und 35 Minuten in mein Flugbuch eintragen.
Drei Tage im November und fast 15 Flugstunden im Segelflugzeug – wie gut, dass ich nicht nach Singapur fliegen „musste“.